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Präsidentin Rita Fuhrer tritt zurück

11.11.2008 - Geschätzte Vorstandskollegen
Liebe Schützinnen und Schützen

Als Präsidentin des Schiesssportverbandes habe ich in den vergangenen fast drei Jahren eine gute Zeit gehabt. An zahlreichen Anlässen habe ich eine tiefe Verwurzelung der Schützen mit den Traditionen unseres Landes festgestellt, habe Breitensportler mit dem Wunsch nach kameradschaftlichem Beisammensein erlebt, die dann doch mit dem Resultat auf der Scheibe nicht ganz zufrieden waren.

Und schliesslich habe ich junge und erfahrene Schiesssportathleten im Wettkampf beobachtet, die nur ein Lidschlag von Sieg und Niederlage trennte. Ich wurde unterstützt und begleitet, habe Vertrauen erhalten und man freute sich oft ehrlich über meine Teilnahme an Feiern und Schiessanlässen. Für all das bin ich sehr dankbar.

Einige wichtige Geschäfte hat die Delegiertenversammlung gutgeheissen. Wir haben ein neues Beitragsmodell als Grundlage für eine faire Erhebung der Beiträge an den Verband beschlossen, beteiligen uns an Brünig Indoor und haben nun mit Lungern und Filzbach zwei gute Trainingszentren für unsere Leistungssportler. Der Vorstand war einverstanden mit einem neuen, sehr transparenten Kommunikationsmodell, so dass an jeder Sitzung der Redaktor von Schiessen Schweiz teilnimmt und unabhängig darüber berichtet. Wir haben das Verbandsorgan grundsätzlich bezüglich Inhalt, Gestaltung und Ökonomie deutlich verbessert. Grossartig ist für mich, dass die Schützinnen und Schützen an der Delegiertenverssammlung ohne Gegenstimme dem „Schützenbatzen“ zur Bekämpfung der Volksinitiative „Für den Schutz vor Waffengewalt“ zugestimmt haben. Besser hätten wir nicht zeigen können, wie wir zusammenstehen können und dass wir gemeinsam für unsere Traditionen, unsern Sport kämpfen wollen.

Noch gäbe es aber viel zu tun. Der viertgrösste Sportverband in unserem Land muss sich ausrichten auf eine schwierige Zukunft. Unsere Sportart „Schiessen“ ist angegriffen. Wir müssen Paroli bieten, soll unser Sport in der modernen Zeit seinen Platz behalten und attraktiv bleiben. Wollen wir den modernen Anforderungen einer effizienten und ökonomischen Verbandsführung gerecht werden, dann müssen Organisation, Vorstandsarbeit und Abteilungen überdacht werden. Strukturen helfen, die Alltagsarbeit mit möglichst wenig Reibungsverlust und rasch zu erledigen, helfen sich auf das Wichtige zu konzentrieren, die Zukunft voraus zu planen und sich darauf vorzubereiten.

Das Projekt 2010 hätte dem Verband die Möglichkeit gegeben, sich auf die grossen Herausforderungen der modernen Zeit einzurichten. Völlig eingedeckt mit technischen Details der operativen Aufgaben haben die Mitglieder des Vorstandes heute keine Zeit, sich um die wirklichen Anliegen der Schützen und Verbände zu kümmern. In verbandsstrategisch wichtige Kommissionen und Fachtagungen, die von den Chefs der Abteilungen besucht werden sollten, schickte man wegen fehlender Zeit den Direktor, nur um sich dann zu wundern, wenn er zum grössten Knowhow-Träger im Vorstand wird. Auf wichtige Vernehmlassungen und Anfragen meldet sich kaum jemand zu Wort, weil man die Unterlagen aus Zeitmangel nicht studieren kann; man beantwortet aber Mails mit rein technischen Fragen, deren Antwort sich aus dem Reglement ergibt, bestellt Kranzabzeichen, kümmert sich, weil man das in der heutigen Organisation muss, um unwichtige Details. Auch hätte die Abteilung Leistungssport endlich Strukturen erhalten sollen, die Fähigkeiten und Talente von Athleten und Trainern gefördert hätte, während die Führung die Strategie und Konzepte vorgegeben hätte. Leistungen sollten auf allen Ebenen bis hin zur Zusammenarbeit mit Swiss Olympic klar kommuniziert, eingefordert und anhand von transparenten Kriterien beurteilt werden. Der Vorstand hätte sich um die oberste Ebene der strategischen Ziele für den Leistungssport kümmern sollen, woraus sich dann die Konzepte und das Budget und schliesslich auch die Anforderungen an die Funktionäre und Trainer ableiten lassen. Und er hätte seiner Aufgabe, die Erreichung der festgelegten Ziele regelmässig zu überprüfen, nachkommen sollen.

Nur wenige Vorstandsmitglieder sind von der Notwenigkeit des Projektes 2010 nicht überzeugt. Diese aber wehren sich derart engagiert und vehement, dass der Vorstand SSV von aussen als völlig uneinig erscheint. Das dient der Sache nicht. Die Anträge und Entscheidungen an der Präsidentenkonferenz 2/08 sind nur ein Spiegel, zeigen lediglich, dass man einem Vorstand, der nicht mit einer Stimme spricht, nicht vertraut.

Richtig wäre nach Niederlagen in der PK etwas zu warten und dann einen weiteren Anlauf im gescheiterten Geschäft zu nehmen. Hier allerdings muss ich festhalten, dass man schon zu lange wartet. Der SSV ist der einzige Verband von dieser Grösse oder Gewicht, der noch mit einem operativ tätigen Vorstand arbeitet, der sieben unabhängige Abteilungen bzw. Bereiche mit Funktionären und Mitarbeitern führt, die nicht übergreifend vernetzt sind und von sieben verschiedenen Vorstandspersonen in deren alleiniger Kompetenz geführt werden. Ich stelle fest, dass damit menschliche Ressourcen, Schützengelder und Sporttalente nicht optimal eingesetzt, wenn nicht gar verschleudertwerden und dass viel Goodwill verspielt wird. Das Image der Schützinnen und Schützen wird darunter leiden, dass der SSV den absolut notwendigen Weg nicht gehen will.

Der Verband hat Ziele. Wenn aber der Mut fehlt, den Weg zur Zielerreichung unter die Füsse zu nehmen, kann nichts bewegt werden. Zu lange hat man schon zugewartet, weitere Untätigkeit wäre verheerend. Aus diesen Gründen kann und will ich die Verantwortung für weiteres Zuwarten bis zur Verbesserung der Arbeitsstrukturen im Verband nicht übernehmen. Ich bin bereit, das Präsidium abzugeben. Obwohl es mir leid tut. Obwohl ich gerne Schützenpräsidentin war.

Ich trete als Präsidentin des Schiessportverbandes auf die Delegiertenversammlung vom April 2009 zurück.
Ich wünsche meinem Nachfolger viel Glück und Freude bei seiner Aufgabe.

Mit freundlichen Grüssen

SCHWEIZER SCHIESSSPORTVERBAND

Die Präsidentin
Rita Fuhrer

Für Auskünfte wenden Sie sich an den Abteilungsleiter Kommunikation des SSV, Fritz Reinmann fritz.reinmann@bluewin.ch

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