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74. Final Schweizerisches Polizeifernschiessen 2018 in Zug, Schiessanlage Choller

Doppelsieg für die Kantonspolizei Baselland

Alle Finalisten 2018 auf einen Blick:<br>Die besten Schweizer Polizeischützen<br>vor der Schiessanlage Choller<br> in Zug
Alle Finalisten 2018 auf einen Blick:
Die besten Schweizer Polizeischützen
vor der Schiessanlage Choller
in Zug

29.10.2018 - Insgesamt 20 Polizeischützen sind jeweils auserkoren den Final zu bestreiten. Qualifiziert haben sie sich aus ursprünglich 800 startenden Polizeischützen aus der ganzen Schweiz. Geschossen wurde mit Ordonnanzwaffen auf 300 und 25m – das traditionelle Feldschiessen und das Bundesprogramm – am Freitag, 19.10.2018 in der Schiessanlage «Choller» in Zug.

Acht Finalisten stammten aus Bern und dem Aargau und somit konnten diese beiden Polizei-Schützenhochburgen ihre Vormachtstellung halten. Als es dann aber um die Medaillen ging machten auch andere vehement mit. So zum Beispiel die beiden zielsicheren Baselbieter Pistolenschützen Philipp Wild und Urs Nachbur, welche Gold und Silber holten. Weiters Edelmetall gab es für den Zuger Lokalmatador Michael Peter (Gw Silber) und den Zürcher Andreas Peier (Pist Bronze). Die letzte Medaille ging in die Südschweiz. Marzio Guscetti, Kantonspolizei Tessin, sicherte sich Bronze mit dem Gewehr.

Top organisiert wurde der Anlass durch die Zuger Polizei. Als Schirmherr amtierte Major Hugo Halter, OK Präsident. An der Front «wirbelte» Fw Heinz Koch. Er zog die Fäden und war für den Ablauf vorort, angefangen vom Schiessbetrieb über die Logistik bis hin zum Absenden, mit feinem Kulinarium im Zuger Restaurant Brandenberg, zuständig. Der Finaltag ist eigentlich nur das Tüpflein auf dem i. Die Knochenarbeit leistet beim Schweizerischen Polizeifernschiessen die Administration still und leise – und hinter den Kulissen.  Integriert in das ganze «Unternehmen Polizeifernschiessen 2018» waren rund 20 Angehörige der Zuger Polizei und der SPSK. Sie haben einen guten Job gemacht.


Qualifikation schon (mehr als) meisterlich

Mit 150 von maximal 157 zu erreichenden Punkten rutschte man gerade noch in den exklusiven Final Club, so auch Michael Peter vom veranstaltenden Korps, der Zuger Polizei. Alle Finalteilnehmer lagen im 1-Punktebereich. Andreas Senn, welcher mit 152 die Quali-Liste anführte, sagte, wie 2 andere Vertreter der Kapo St. Gallen die Teilnahme ab. Begonnen wurde mit dem Bundesprogramm. Neun schützen schossen zwischen 81 und 83 Punkten, da konnte sich jeder noch berechtigte Titelhoffnungen machen. Entscheiden musste das Feldschiessen – 18 Schuss auf die schlecht sichtbare Tarnscheibe B4.

Mit im Feld der mehrfache Polizei-Schweizermeister mit der Pistole: Andreas (Huan) Hunziker, Instruktor der Repol Aargau Süd. Er, welcher den ganzen Medaillensatz schon mehrfach in seinem Schrank hat, brauchte eine neue Herausforderung. Also griff er zum Gewehr und schaffte im ersten Anlauf die Final-Qualifikation mit 151.

14 Pistolenschützen erreichten im offiziellen Polizeifernschiessen (welches man als Qualifikationsrunde bezeichnen könnte) 377 und mehr Punkte. 7 Schützen gaben nur gerade 1 Punkt ab und buchten 379.

Andreas Hunziker (Doppelschütze) Michael Häberli, Repol Wohlen, Sepp Kost (Kapo OW) und Paul Stutz (ausser Dienst) verzichteten auf den Start.


Eröffnet Feldschiessen mit einem glatten «100»: Markus Steiner, Repol Aargau Süd

Obwohl jeder weiss, dass auf der B4 maximal eine 4 geschossen werden kann, achtet der Schütze, aus «Orientierungsgründen» immer noch zusätzlich auf die ebenfalls ersichtliche «Hunderter-Wertung». Die Stellung welche Markus Steiner einnimmt gleicht einem Schraubstock. Alles fest im Griff. Das getunte 57er Sturmgewehr entschlossen im Anschlag. Nach wenigen Sekunden bricht der Schuss – ein Hunderter leuchtet blinkend auf dem Monitor auf. Das war für Markus das Zeichen zum Sieg und er war sich sicher – Heute ist mein Tag – heute gewinne ich. Logisch, dass er diese Vorsehung nicht kundtat, sondern still und leise punktete und punktete. Bei diesem Wettbewerb spürst du den Atem der Konkurrenz im Nacken. Ein Fehlschuss, auf die B4 also eine 3, kann dabei entscheidend sein. Doch Markus war auf Goldkurs.

150 Punkte sind am Schweizerischen Final für eine Medaille gut erklärte der Aargauer Serien-Schweizermeister Jörg Fankhauser schon oftmals. Diese Aussage stimmte am Zuger-Final nur bedingt, weil sich vier Schützen diesen Wert teilten. Als glücklicher Medaillensieger wurde der Tessiner Marzio Guscetti ausgerufen. Die punktgleichen Philipp Kocher (Kapo Bern) Martin Maag (Kapo Freiburg) und Pascal Villiger (Kapo Zürich) wurden nach dem Reglement bewertet und auf die entsprechenden Plätze 4-6) verwiesen. Moralisch steht ihnen Platz 3 zu. Ganz vorne machte Markus Steiner mit einem schönen 70er im Feldschiessen den Sack zu, ein Punkt vor dem nationalen Spitzenschützen Michael Peter. Ohne Medaillen von dannen ziehen mussten die Kameraden aus dem Berner Bären-Team. Mit 150 Punkten verpasste Philipp Kocher Bronze. Vor einem Jahr hätte er mit diesem Resultat noch Silber geholt.


Auch bei den sportlichen Polizeischützen vorn: Sturmgewehr 57-03

Vor einigen Jahren noch hielten sich der altehrwürdige Karabiner (K31) und das Sturmgewehr 90 beim Schweizerischen Polizeifinal ungefähr die Waage. Nun wurden diese beiden Ordonnanzwaffen klar verdrängt, vom klobigen und schweren, modifizierten und auf Präzision getunten Sturmgewehr 57. Diese ehemalige Kampfwaffe erlebt eine «Renaissance“ in Reinkultur. Die zielsichere 300m Waffe – manchmal despektierlich als „Oelrohr“ bezeichnet, ist auf dem Siegeszug. Da muss sich mancher Standardgewehrschütze bereits warm anziehen. Nicht von ungefähr holten sich zwei 57er Schützen (Markus Steiner, Michael Peter) am Zuger Final Gold und Silber – vor Marzio Guscetti welcher für das Stgw 90 Bronze rettete.

Reglement kostet Nerven

Wer in diesem Final bestehen will muss nicht nur exzellent schiessen, sondern ganz starke Nerven haben. Da es sich hier ganz klar um «klassisches Sportschiessen» handelt, läuft alles streng nach Reglement ab. Dafür sorgte bei den Pistolenschützen Paul Stutz, Kantonspolizei Zürich (seit einem Jahr ausser Dienst) der mehrfache Finalteilnehmer vergangener Jahre. Als hoher SSV Funktionär kennt er das Reglement auswendig.  

Wettkampfschützen blenden dieses «Zeremoniell» bewusst aus, üben sich in Geduld, sind gelassen. Zuschauern hingegen schläft fast das Gesicht ein. Auch das ist ein Grund weshalb Schiessen kein Publikumssport ist. 5 lange Minuten Vorbereitungszeit – dann 1 Patrone laden – wieder eine «Zwangspause» von einer Minute. Gerade für aktive Frontpolizisten, welche in der Lage sind innert 1.5 Sekunden eine Doublette treffsicher anzubringen ist diese «Prozedur» zermürbend.

Dass es sich um einen Schweizerischen Final handelte spürte man spätestens bei der Auswertung.

Mehr als einmal musste die Jury über den Schusswert – mit «Daumenzeichen» 10 oder 9 entscheiden das war Nervenkitzel pur.  


Pistolenschütze Philipp Wild nützt die Gunst der Stunde

Endlich beginnt das Bundesprogramm mit seinen 20 Wertungsschüssen. Wenn Punkte «verloren» gehen, dann oftmals in den Einzelschüssen, weil «zu lange» gezielt wird. Wer die Einzelschusspasse nicht mit einem 50er abschliessen kann, wird in der Regel nach hinten durchgereicht – denn in den zeitlich begrenzten Passen gibt kaum einer Punkte ab.  Vier Schützen gehen mit 198 Punkte in die zweite Runde. Es sind die Koryphäen Urs Nachbur, Andreas Peier, Mathis Gerber, Daniel Dennler. Die ersten drei sind ehemalige Schweizermeister – der vierte Bundesgabensieger von Ennetmoos, also auch ein Titelkandidat.  Tom Sandmeier (10-facher Schweizermeister) verliert etwas Terrain – 4 Punkte nach der Halbzeit, sind kaum aufzuholen – auch für Tom nicht, dem ehemaligen Mitglied der Polizei-Nationalmannschaft. Er nimmt’s gelassen – er stand schon oftmals auf dem Treppchen.

Das anschliessende Feldschliessen wirkt wie eine Erlösung für die Konkurrenten, es geht nun etwas zügiger voran. Nun schlägt die Stunde von Philipp Wild. Er bucht als einziger das Maximum, geht mit seinen 180 Punkten in Führung und übernimmt die Spitze, vor seinen Berufskollegen Urs Nachbur. Damit realisieren die beiden Baselbieter einen famosen Doppelsieg. Andreas Peier, einer der stärksten Zürcher Polizeischützen überhaupt und bis zum letzten Feuer auf Goldkurs, verpasst aufgrund von 2 Neuner in der 30er-Passe den Meistertitel. Er tröstet sich mit Bronze.  Neben den Aargauern geht auch der Berner Titelverteidiger Mathis Gerber leer aus. 375 reichen in der Regel nicht für Edelmetall.


10 Kantone dabei

Berücksichtigt man beide Distanzen kommt man auf 10 teilnehmenden Kantone. Als «Stammkantone» können Bern, Aargau, Zürich, Basel-Land und Freiburg bezeichnet werden. Vertreten ist aber auch immer die Romandie (Waadt, Genf) und der Tessin. Vermisst wurde zum Beispiel der Kanton Graubünden, welcher früher immer starke Schützen stellte.  Die Zentralschweiz wurde durch den Organisator selbst vertreten. Michael Peter war in Doppelfunktion tätig, als Stv Schiessbetrieb und Finalteilnehmer Gewehr. Er meisterte diese Aufgabe bravourös und schloss den Tag mit einer schönen Silbermedaille ab. Sieger der «Kantonswertung» wurde Basel-Land mit Gold und Silber.


Teilnehmerzahl wieder auf Talfahrt

Während Sepp Kost anlässlich der Austragung 2017 im Brünig Indoor noch von einer Zunahme sprach

schrumpfte die Teilnehmerzahl wieder unter 800. Der polizeiliche Fernmatch kämpft ums Überleben. Lange nicht bei allen Korps wird das Schweizerische Polizeifernschiessen gefördert und gepflegt und wird als reine Freizeitbeschäftigung deklariert. Nicht überall ist Schiessen Polizeisport Nummer ein. Vor allem die grossen Korps könnten hier viel mehr machen und Schützen mobilisieren. Wie wir wissen steht die Präzision am Anfang aller schiesstauglichen Lehrmethoden. Das praktische und taktische Schiessen, welches bei Sicherheitsorganen trainiert wird, hat seinen Ursprung in der Präzision. Klar ist die Reihenfolge, erst treffen und dann Tempo forcieren. Nur schnell sein, nützt gar nichts – das wissen wir alle.  


Final zu einfach – Rangierung nur mit Hilfe des Reglements möglich.

Früher marschierten 30 Finalisten zum letzten Ausstich ein. 10 auf jeder Distanz. Seit der Zürcher Austragung 2014 verzichtet man (aufgrund der Quantität an Schützen) auf die «Pistolen-Königsdisziplin» 50 Meter. Qualität im 50 Meter Bereich war immer (und ist auch heute) nach wie vor vorhanden. Legendär und sagenhaft sind die (sportlichen) Auseinandersetzungen unter den Schützenfreunden aus dem Aargau Tom Sandmeier, Andreas Hunziker, Hansruedi Merz, Jürg Lehner und dem Berner Ueli Blatti, welche sich gegen die Romands Gilbert Leuenberger, Roland Rub, Thierry Chuat, den Tessiner Romano Mazzi oder den St.Galler Christoph Knechtle durchzusetzen versuchten. Während dem Wettkampf schenkte man sich gegenseitig gar nichts, aber vor und nachher herrschte Kameradschaft pur.  Die 50m Schützen waren eine verschworene Gemeinschaft. Sie wurden abgeschafft.

Der Chef Instruktor der VAG (Verband Aargauer Regional Polizeien) Andreas Hunziker, welcher bei beiden Pistolen-Distanzen mehrfach auf dem Podest stand, ist vor allem der 25 Meter Final zu «schwach und einfach». Die Scheibe ist zu gross, die Distanz und klein und die Zeit zu lang. Eine effektive Selektion findet nicht statt. Nur wer den Nervenkrieg übersteht und mit Göttin Fortuna im gleichen Boot sitzt gewinnt. Entweder das Programm ändern, die Scheibe verkleinern, die Zeit kürzen, oder einfach den Final aller Pistolenschützen auf 50 Meter austragen. Den wahren Polizeimeister sieht der Aargauer sowieso in der Kombination (aus Gewehr und Pistole). Heute erst recht, weil das Gewehr inzwischen zur wichtigsten Waffe jedes Frontpolizisten geworden ist.  


Mit dem Zuger «OD Shuttle» zum Absenden

Ganz gut lösten die Organisatoren den Transport zum Absenden und Ausklang dieses Schweizerischen Finals. Ortsunkundige konnten einen bereitgestellten OD Bus der Zugerpolizei besteigen und wurden direkt zum Restaurant Brandenberg in die Stadt Zug geführt. Im schön dekorierten Saal präsentierten sich die Finalisten nun in Uniform, dem Publikum. Ein würdiger Abschluss. Wie Peter Stutz, Leiter der Abteilung Schiessen der Schweizerischen Polizeisportkommission (SPSK) bekanntgab, wird auch der nächste Final wieder in Zug ausgetragen – im Oktober 2019 wird sich die Elite der Schweizer Polizeischützen wieder in der Schiessanlage «Choller» zum Ausstich versammeln. (James Kramer)

 

Podest Gewehr: v.l. Michael Peter, Zuger Polizei (2.) Markus Steiner, Repol Aargau-Süd (1.) Marzio Guscetti, Kapo TI (3.) Podest Pistole: v.l. Urs Nachbur, Kapo BL (2.) Philipp Wild, Kapo BL (1.) Andreas Peier, Kapo ZH, (3.)

 

 

Auszug aus den Ranglisten

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