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Trainingslager

Schützen gehen an ihre Grenzen

Die gemeinsame Analyse der Resultate <br>am Bildschirm gehört im Trainingslager <br>ebenfalls zum Programm.
Die gemeinsame Analyse der Resultate
am Bildschirm gehört im Trainingslager
ebenfalls zum Programm.

05.01.2016 - Daniel Burger verlangt in seinem ersten Trainingslager als Cheftrainer Gewehr seinen zehn Schützlingen so einiges ab. Nur so seien weitere Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Reichweite.

Weitere Eindrücke aus dem Trainingslager finden Sie auf unserer Facebook-Seite

«60 Schuss in 30 Minuten. Start.» Das sagt Daniel Burger, Cheftrainer Gewehr und Leiter KZen Spitzensport, am Dienstag, 5. Januar, insgesamt neun Mal. 540 Schuss feuern jene zehn Athletinnen und Athleten innerhalb eines Tages unter Wettkampfbedingungen ab, die tags zuvor ins Trainingslager in Magglingen eingerückt sind. Während einer Woche bereiten sich Vanessa Hofstetter, Nina Christen, Petra Lustenberger, Annik Marguet, Christoph Dürr, Claude-Alain Delley, Pascal Loretan, Simon Beyeler, Sandro Greuter und Jan Lochbihler auf die anstehenden internationalen Auftritte vor. Primäres Ziel ist der Wettkampf in München Ende Januar. Für sieben Schützen geht es knapp einen Monat später um EM-Medaillen – und vor allem um die letzten Quotenplätze, die für die Olympischen Spiele zu vergeben sind.

 

Bitte einpacken: 3000 Schuss Munition

Daniel Burger hat zusammen mit Dino Tartaruga ein intensives Trainingsprogramm zusammengestellt. Die Schützinnen und Schützen sollen die Automatismen und Reflexe schulen. Und dafür braucht es hohe Intensität und viele Schüsse. Dass es streng werden würde, konnten die Athleten bereits der Packliste entnehmen. 3000 Schuss Munition sollten sie mitnehmen. Und diese werden zumindest zu einem grossen Teil auch gebraucht. Etwas anders sieht das mit der Winterausrüstung aus. Die für Mittwoch geplante Ski- und Schneeschuhtour ist mangels Schnee und schlechter Wetterprognose entfallen. Stattdessen stehen ein Tischtennisturnier und Rumpfübungen sowie eine Wanderung auf dem Programm.

 

Leistungsdiagnostiker Dino Tartaruga (rechts) und Cheftrainer Daniel Burger brüten über dem Datenmaterial des Trainingstags.

 

Hohe Belastung zeigt Schwächen auf

Ein solcher Ausgleich ist nach dem Dienstag auch nötig. Die neun Stunden im Schiessstand haben bei allen Spuren hinterlassen. Die Anstrengungen sollen sich aber in Zukunft ausbezahlen. Und das in doppelter Hinsicht: Denn dank der hohen Anzahl Trainingsschüsse liegt nun auch grosses Daten- und Zahlenmaterial vor, das die Stärken und Schwächen des einzelnen Athleten aufzeigt und bisweilen auch die subjektive Wahrnehmung widerlegt. Wie weit ist der Zielweg auf der Scheibe in der letzten Sekunde vor der Schussauslösung? Wie hoch ist der Druck auf den Schaft? Wie lange dauert der Zielvorgang vom Eintritt auf die Scheibe bis zum Schuss? Diese und weitere Daten werden mit den einzelnen Schussresultaten verglichen. Ebenso wird die Leistungskurve im Tagesverlauf analysiert. «Erst unter dieser hohen Belastung erkennt man die Schwächen», erklärt Daniel Burger. Aufgabe von Leistungsdiagnostiker Dino Tartaruga ist es nun, aus dem Zahlenberg für jeden Athleten individuelle Schlussfolgerungen und Trainingsanleitungen zu ziehen. Einen Erkenntnisgewinn erhofft sich Daniel Burger dank der akribischen Datensammlung auch in Bezug auf die Ernährung. Vereinfacht gesagt: Der eine schiesst mit leerem Magen besser, der andere mit vollem.

 

«Wir verlassen uns zu stark auf das Talent»

Auch wenn die Analyse ihre Zeit brauchen wird, gibt Daniel Burger bereits während des ganzen Tages Tipps. «Nicht denken, nur schiessen», rät er. «Leg noch ein Brikett drauf», fordert er. «Das war Weltklasse», muntert er auf. Auch wenn seine Schützlinge noch nicht so weit sind, wie er es gerne hätte, ist er zumindest mit der Einsatzbereitschaft sehr zufrieden. Für Burger ist das aber nur ein erster Schritt in Richtung Professionalisierung. Den Takt, den er im ersten Trainingslager unter seiner Führung vorgegeben hat, will er halten – oder sogar noch steigern. «Wir verlassen uns derzeit zu stark auf das Talent», stellt er fest. «Das reicht aber nicht. Wir müssen härter arbeiten, an der Technik feilen, mehr trainieren.» So hart das Programm ist. Bei den Athleten kommt es an. «Es ist eine strenge Woche», sagt Christoph Dürr. «Aber das soll auch so sein.» Und auch für Simon Beyeler, der seit Jahren auf konstant hohem Niveau schiesst und entsprechend viel trainiert, ist die Intensität Neuland. «Über fünf Stunden reine Schiesszeit an einem Tag. Das habe ich noch nie geschafft.»

 

Auch für den erfahrenen Schützen Simon Beyeler ist die Intensität höher als gewohnt.

 

Vor der Nachtruhe wird Kondition gebüffelt

Das grosse Trainingspensum ist ganz im Sinn von Franz Fischer, der am Dienstagnachmittag das Training verfolgt. Fischer ist beim Bundesamt für Sport in Magglingen verantwortlich für die Betreuung der Spitzensport-Rekruten. Derzeit darf der SSV bekanntlich vier der begehrten Plätze für sich beanspruchen. Vanessa Hofstetter, Nina Christen, Christoph Dürr und Sandro Greuter können sich seit dem 26. Oktober intensiv dem Training widmen (wir berichteten mehrfach). Doch auch wenn sie sich das harte Training gewohnt sind: auch sie sind müde, als sie um 17 Uhr das Gewehr weglegen dürfen. Feierabend haben die Athleten dann aber noch lange nicht. Nach dem Nachtessen in Magglingen wartet auf sie ein zweistündiger Konditionsblock. Wie hat doch Daniel Burger gesagt? «Wir haben in den letzten Jahren schlicht und einfach zu wenig trainiert.» (van)

 

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