Federazione sportiva svizzera di tiro

Vorfreude trotz Sorgenfalten

Der stattliche Luzerner Kantonsratssaal war ein idealer Tagungsort für die Schiessoffiziere und die geladenen Gäste.

Der stattliche Luzerner Kantonsratssaal war ein idealer Tagungsort für die Schiessoffiziere und die geladenen Gäste.

Die Eidgenössischen Schiessoffiziere trafen sich am 15. und 16. Januar in Luzern zur Eidgenössischen Schiesskonferenz. Sie konnten eine positive Bilanz zum Schiesssportjahr 2019 ziehen und sich auf kommende Höhepunkte freuen. Am Horizont zeichnen sich aber auch düstere Wolken ab.

Die Bombe platzte gleich zu Beginn: Brigadier Jacques Rüdin stellte in der Plenarversammlung der Eidgenössischen Schiesskonferenz vom Donnerstag, 16. Januar, im Kantonsratssaal Luzern Massnahmen des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vor, die das Schiesswesen ausser Dienst und damit praktisch alle Schützenvereine tangieren werden. Das VBS will das Schiesswesen ausser Dienst transparenter organisieren. So ist auch die Medienmitteilung betitelt, die gleichentags um 10.30 Uhr versandt wurde. Konkret handelt es sich um die fünf folgenden Massnahmen:

  1. Abgeltung ausweisen: Neu wird in der Armeebotschaft die Abgeltung ausgewiesen, die aus der Preisreduktion beim Verkauf von Munition an die Schiessvereine resultiert. Im Jahr 2018 handelte es sich um 9,3 Millionen Franken. Ebenso werden die Entschädigungen für die Durchführung der obligatorischen Schiessprogramme, des Feldschiessens und der Jungschützenkurse transparent ausgewiesen. Im Jahr 2018 waren dies 8,6 Millionen Franken.
  2. Kein Verkauf von Matchmunition und 7,65-mm-Pistolenmunition: Diese von der Armee nicht verwendete Munition wird in Zukunft nicht mehr abgegeben.
  3. Keine Munition an die Schiessvereine im Ausland: Das VBS wird zukünftig keine Munition mehr an die Auslandvereine abgeben. Die Schiessvereine können ihre Munition neu direkt und in eigener Verantwortung beim Lieferanten (Ruag) beziehen.
  4. Kein Sportbeitrag über das VBS mehr: Bis anhin hat das VBS beim Verkauf von Munition an die Schiessvereine einen sogenannten Sportbeitrag erhoben und diesen dem SSV überwiesen. Neu wird der SSV den Sportbeitrag bei den Schiessvereinen direkt erheben.
  5. Sichere VVA: Die Vereins- und Verbandsadministration soll erneuert und den Sicherheitsanforderungen des Bundes angepasst werden. Die WTO-Ausschreibung für eine neue Software ist bereits erfolgt. Nun werden die verschiedenen Anbieter evaluiert. Die neue Informatikanwendung soll am 1. Januar 2023 eingeführt werden. Bis dann sollen auch alle anderen Massnahmen umgesetzt werden.

Brigadier Jacques Rüdin, Vorsitzender der Eidgenössischen Schiesskonferenz, dem auch der Bereich Schiesswesen und ausserdienstliche Tätigkeiten untersteht, wurde am Montag, 13. Januar, über die Änderungen informiert, der Schweizer Schiesssportverband am Freitag, 10. Januar. SSV-Präsident Luca Filippini nahm in seiner Ansprache an die Eidgenössischen Schiessoffiziere unter anderem Stellung zu den vom VBS in Eigenregie beschlossenen Massnahmen. Der SSV nimmt diese zur Kenntnis und will vorwärtsschauen. Insbesondere für die Matchmunition und die 7,65-mm-Pistolenmunition und für die Erhebung des Sportbeitrags müsse gemeinsam eine Lösung für die Schützen gefunden werden. Denn auch in Zukunft werden die 7.65-mm Pistolen im Breitensport in Einsatz sein.

Auch wenn das Vorgehen des VBS den SSV überrascht hat, ist es dem Verband ein Anliegen, die sehr gute Zusammenarbeit zu verdanken und weiter zu pflegen. Der SSV rechnet damit, dass die oben beschriebenen, einseitig beschlossenen Massnahmen in einem partnerschaftlichen Prozess umgesetzt werden. Zudem möchte der SSV festhalten, dass es sich bei den insgesamt knapp 18 Millionen Franken (siehe Punkt 1) nicht um Subventionen, sondern um Teil-Entschädigungen für Leistungen handelt, welche an tausenden von Tagen von Zehntausenden von Helfern erbracht werden. Die Schiesssportvereine leisten an den Obligatorischen Schiessen, den Feldschiessen und in den Jungschützenkursen unschätzbare ehrenamtliche Arbeit im Dienst der Landesverteidigung.

 

«Es geht um das Überleben unserer Luftwaffe»

Zurück zur Schiesskonferenz: Keine Schiessunfälle, eine Zunahme an Teilnehmern beim Eidgenössischen Feldschiessen und Fortschritte in verschiedenen Bereichen des ausserdienstlichen Schiesswesens: Die 22 Eidgenössischen Schiessoffiziere konnten an ihrer jährlichen Tagung mit Genugtuung auf das vergangene Jahr zurückblicken. An zwei Tagen bereiteten sie aber auch alles für das Schiesssportjahr 2020 vor. Höhepunkt wird unbestritten das Eidgenössische Schützenfest (ESF) 2020 sein, das vom 12. Juni bis 12. Juli in Luzern stattfinden wird, weshalb auch die Eidgenössische Schiesskonferenz im Herzen der Zentralschweiz durchgeführt wurde. Es war denn auch Paul Winiker, Regierungsrat und OK-Präsident des ESF 2020, der an der Plenarversammlung vom Donnerstag, 16. Januar, als erster zu den Anwesenden sprechen durfte. Er blickte einerseits voller Vorfreude auf «sein» Volksfest, betonte aber auch die Herausforderungen, welchen sich die Schweiz und der Schiesssport stellen müssen. Insbesondere die Rechtsentwicklung in Europa nehme keine Rücksicht auf die Schweizer Schützentradition. Auch Korpskommandant Hans-Peter Walser blickte in die Zukunft. Er widmete sich in seinem Grusswort insbesondere der Beschaffung von Kampfflugzeugen für die Schweizer Armee: «Es geht um das Überleben unserer Luftwaffe und unserer Milizarmee», sagte er im Hinblick auf die zu erwartende Volksabstimmung.

Katrin Stucki, Chefin der Dienstelle Schiesswesen ausser Dienst SAT, und Oberst Daniel Siegenthaler, Eidgenössischer Schiessanlagen-Experte, konnten Erfreuliches vermelden. So zeigen die Statistiken 2019 einen erfreulichen Zuwachs der Teilnehmerzahlen beim Eidgenössischen Feldschiessen, was insbesondere den Pistolenschützen zu verdanken ist. Auch im Obligatorischen Programm legten die Pistolenschützen zu, während es im 300m-Bereich einen leichten Rückgang zu verzeichnen gab. Die Zahl der Jungschützenkurse blieb stabil, die Kurse waren aber etwas schlechter besucht. Dass all dies ohne Unfälle vonstattenging, war für Daniel Siegenthaler von grösster Bedeutung. Die Arbeit ging dem Eidgenössischen Schiessanlagen-Experten trotzdem nicht aus. Er berichtete anhand von zwei Beispielen aus der Praxis, wie Schiessanlagen mit der baulichen Entwicklung ins Gehege kommen. So musste an einem Ort für rund 100'000 Franken der Kugelfang ausgebaut werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Der Kugelfang und die Kugelfangsysteme werden ihn auch weiterhin beschäftigen. «Es ist fünf vor zwölf», sagte er angesichts der Umsetzungsfrist für künstliche Kugelfänge. Zahlreiche Gemeinden und Schiesssportvereine sind ihrer Pflicht, einen künstlichen Kugelfang zu installieren noch nicht nachgekommen. Dabei wird die Zeit knapp. In diesem Jahr wird er seine Kontrolltätigkeit zudem auf die Umsetzung des neuen Reglements «Technische Belange der Schiessanlagen für das Schiesswesen ausser Dienst» konzentrieren, das seit dem 1. September 2019 in Kraft ist.

 

Alltag als Zeitmilitär

Spitzenschützin und Zeitmilitär Nina Christen setzte in ihrem Referat einen Kontrapunkt zu den technischen Ausführungen. Die Europameisterin und Olympiateilnehmerin erzählte aus ihrem Alltag als Zeitmilitär und betonte, wie wichtig die Armee für ihre heutigen sportlichen Erfolge ist. «Die Spitzensport-RS war ein wichtiger Schritt», sagte sie. Als Zeitmilitär werden ihr viele Sorgen – nicht nur finanzielle – abgenommen. Zudem schätzt die Nidwaldnerin die CISM-Wettkämpfe, an welchen sich Militärangehörige aus aller Welt messen, aber auch Freundschaften pflegen.

Hans Rudolf Liechti berichtete von der Geschäftstätigkeit der USS Versicherung. Der Geschäftsführer konnte auf ein schadenarmes Jahr zurückblicken und betonte einmal mehr, wie wichtig ein guter Gehörschutz ist. Ebenso warb er für die Rechtsschutzversicherung, die immer mehr an Bedeutung gewinne. Einen kleinen Werbespot machte auch Philipp Bühler, Vizepräsident des Organisationskomitees des Eidgenössischen Schützenfests 2020 in Luzern. Er stellte die Höhepunkte des Programms vor. Einen Auftritt hatte auch Alexander Bütikofer, Bereichsleiter Zentralstelle Waffen im Bundesamt für Polizei fedpol. Er präsentierte in aller Kürze die wichtigsten Änderungen, die das neue Waffengesetz mit sich gebracht hat.

Abgeschlossen wurde die Schiesskonferenz 2020 mit zwei Verabschiedungen. Die beiden Schiessoffiziere Oberst Franz Walker (Kreis 15, Zürich Nord/Schaffhausen) und Oberst i Gst Werner Hürlimann (Kreis 18, Thurgau/St. Gallen Nord) haben ihre Ämter abgegeben. Nachfolger sind Oberst i Gst Christian Schmassmann und Oberstleutnant Emil Winter. In Abwesenheit wurde Lt col Jean-Jacques Biland (Kreis 21, Neuenburg) verabschiedet. Sein Nachfolger heisst Jean-Luc Jordan. (van)

Galerie

Impressionen von der Eidgenössischen Schiesskonferenz

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