Nicht umsonst heisst es Schnellfeuer. Denn im Wettkampf mit der Schnellfeuerpistole kann sich in kürzester Zeit alles ändern. Genau das zeigte sich im Finale der Schweizer Gruppenmeisterschaft Pistole 25m in Thun – und zwar besonders rasant und turbulent. Nach der ersten Serie der letzten beiden Schützen im Schnellfeuer-Programm sah zunächst alles nach einem packenden Duell zwischen dem Titelverteidiger Lausanne und Malters aus. Sechs Punkte lagen die Waadtländer vor Beginn der 2. Serie in Führung. Doch schon nach dem ersten Schuss dieser 2. Serie wendete Malters das Blatt, ging seinerseits mit drei Punkten Vorsprung in Front und baute diesen bis zum Ende der mittleren Fünferpasse auf sieben Zähler aus.
Nervenkitzel durch streikende Elektronik
Dann wurde die Technik zum Challenge für die Nerven. Ein längerer Unterbruch brachte Unruhe und hitzige Diskussionen ins «Schützenhaus»: Die neuen elektronischen Scheiben, die erstmals im Einsatz standen, sorgten für eine Generalpanne statt für eine geglückte Generalprobe.
Die Software erwies sich als Perfektionistin: Fehlschüsse? Fehlanzeige. Sprich: Das Programm akzeptierte salopp gesagt keine Fehlschüsse. Da u.a. Lausanne sogar deren zwei hatte, geriet das System ins Rotieren und lieferte kein gültiges Resultat für eine Serie mit Nuller. Stattdessen wollte die Technik warten, bis fünf Treffer auf der Scheibe waren – sprich auf die kommende Serie, die nicht kam… .«Sobald die Schiessleitung sieht, dass ein Schuss nicht auf der Scheibe ist, muss sofort manuell eingegriffen werden», erklärt Ressortleiter Ruedi Künzler die Lösung des Problems. Konkret: den Schützen anhalten und reden.
Hinzu kommt, dass das System speziell eingestellt werden muss, wenn mit Ordonnanz- statt mit Kleinkaliberwaffen geschossen wird, was hier der Fall war. «Das kann man problemlos konfigurieren», so Künzler. «Aber es muss halt gemacht werden.»
Im Prinzip haben die Fehlschüsse also die Technik abgeschossen! «Eigentlich wollten wir Zeit sparen – jetzt hat es bei der Premiere halt etwas länger gedauert», schmunzelte Paul Stutz, Abteilungsleiter Pistole. Hauptsache, es klappt dann an der Schweizermeisterschaft. Und: «Lieber eine sichere 10 als eine überhastete 6.»
Nach dem langen Unterbruch vor der dritten Serie fiel Lausanne, zu Beginn noch klarer Titelkandidat, auf Rang 4 zurück. Nutzniesser waren Genf Arquebuse 1, das sich Silber sicherte, sowie Niederweningen, das mit nur einem Punkt Vorsprung auf die Titelverteidiger Bronze gewann. Gold aber ging souverän an Malters mit den Schützen Christian Klauenbösch, Ueli Krauer, Alex Huber und Markus Linder – und das nach einem Final, der alles bot: Spannung, Nervenkrimi, Technikdrama, stilles Beten und die pure Dynamik des Schnellfeuers.
Viel junge Talente am Start
Ruedi Künzler seinerseits freute sich noch über einen bemerkenswerten Aspekt: «Nicht weniger als ein Viertel der Finalschützinnen und -schützen stammt aus der Altersklasse U21. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren ein aussergewöhnlich hoher Anteil.» Und an dieser Tatsache konnte auch keine störrische Technik was ändern. (Michael Schenk)