Fédération sportive suisse de tir

Auftakt auf dem Rossboden

Mit dem Eröffnungsschiessen auf dem Rossboden ist das 59. Eidgenössische Schützenfest Chur lanciert. Insgesamt 1694 Schützinnen und Schützen traten an. Der erste Wettkampftag lieferte bereits Stoff für Geschichten, wie sie nur ein Eidgenössisches schreiben kann.

Für viele Schützinnen und Schützen beginnt das Eidgenössische an diesem Donnerstagmorgen im Shuttlebus zum Rossboden. Einer der Fahrer ist Rolf aus Chur. Der ehemalige Chauffeur fährt heute die Frühschicht von 6 bis 14 Uhr.
Wegen eines angeborenen Gehörschadens ist Rolf schiessuntauglich, wie er erzählt. Trotzdem meldete er sich als Helfer. «Man muss Schweizer Traditionen behalten, fördern und auch den Jungen erklären, dass der Schiesssport mehr ist als viele denken», sagt er.

Rolf ist einer von zahlreichen Helfern, die das Eidgenössische Schützenfest möglich machen. Mit dem Eröffnungsschiessen beginnt einer der grössten Schweizer Sportanlässe im Jahr 2026. Erwartet werden rund 35'000 Schützinnen und Schützen sowie insgesamt rund 100'000 Besucher. Für das Eröffnungsschiessen allein haben sich 1694 Teilnehmer angemeldet.

30 Schüsse in vier Minuten
Einer von ihnen ist Daniel Kohler. Unmittelbar nach dem Wettkampf meint er zu seiner Partnerin: «Das reicht nicht.» 241 Punkte genügen nicht für die Kranzauszeichnung. Dabei gehört der Schütze von den Infanterieschützen Roggwil zu den Stammgästen des Eröffnungsschiessens. Seit Thun 1995 hat er an jedem teilgenommen; nur in Frauenfeld 2005 fehlte er. In Thun gewann er damals auch sein bislang einziges Kranzabzeichen.

Was fasziniert den erfahrenen Schützen am Eröffnungsschiessen? «Ein solches Schiessen gibt es sonst kaum: Bei einem normalen Stich kannst du nach jedem Schuss korrigieren», erklärt Kohler. Es gebe Leute, die das Format als sinnloses «Geballere» bezeichneten, weil sich die einzelnen Schüsse nicht korrigieren liessen. Für ihn liege aber gerade darin die Herausforderung: «Hier brauchst du Erfahrung. Und auch ein Quäntchen Glück, dass du mit den zwei Probeschüssen wirklich im Zentrum bist.»
Gerade das reize ihn bis heute. «Wenn du 40 Jahre lang schiesst und trainierts, willst du es wissen: Bringst du es noch?» 

Wenn selbst erfahrene Schützen nervös werden
Dass das Eröffnungsschiessen selbst erfahrene Schützen fordert, erlebt Markus Weber aus Altendorf SZ aus nächster Nähe. Der Präsident des Schützenveteranen-Verbands Kanton Schwyz hat sich für zehn Tage als Helfer gemeldet und übernimmt während des Eidgenössischen unterschiedlichste Aufgaben – als Schützenmeister, in der Eingangskontrolle, in der Transportzentrale oder als Operator auf den Schiessanlagen. «Ich habe eine sehr abwechslungsreiche Zeit vor mir», sagt er.

Warum er sich das antut? Für Weber ist die Antwort klar: Das Eidgenössische sei auch heute noch etwas Besonderes. «Es ist ein besonderer Tag für viele, vor allem für jene, die gemeinsam mit dem Verein hierherkommen und das zusammen erleben.»
Als Schützenmeister erlebt Weber die Teilnehmer aus nächster Nähe. «Viele sind gestresst», sagt er. Das sei dem Wettkampfprogramm mit den 30 Schüssen in nur vier Minuten geschuldet. Manche würden dabei regelrecht zittern: Ein Teilnehmer habe ihn gefragt, ob ihm ein Vereinskollege beim Magazinwechsel helfen dürfe.  Nach Rücksprache sei dies erlaubt worden.
Vereinzelt komme es auch zu emotionalen Überreaktionen. So habe ein Teilnehmer seinem Ärger lautstark Luft gemacht, weil seine Scheibe nicht freigegeben worden sei. Obwohl eine Ersatzscheibe bereitgestanden hätte, habe er schliesslich auf den Wettkampf verzichtet. Weber nimmt es gelassen: «Das gibt es auf dem Fussballplatz genauso.»

Zwischen Schiessstand und Spargelfeld
Und dann ist da noch das Spargelfeld. Auf dem Rossboden liegt es zwischen dem 300m-Schiessstand und den Zielscheiben. Vor Wettkampfbeginn wurde dort Spargel gestochen, später nochmals in der Mittagspause. Auch am Abend sollte die Ernte weitergehen. Mit den Bauern war das abgesprochen.
Vielleicht ist genau das das Einmalige eines Eidgenössischen Schützenfests und der Schweizer Schützenkultur: Zwischen Schiessstand und Zielscheiben werden Spargeln gestochen – und wenig später wieder um Punkte und Kränze geschossen. Wo gibt es das sonst?

 


 

Galerie

swiss_olympic_member.png Swisslos_Logo.png Logo_LoRo.jpg