Die European Games gelten als grösster europäischer Multisportanlass nach den Olympischen Spielen. Die vierte Austragung findet vom 16. bis 27. Juni 2027 in Istanbul statt. Nach Baku (2015), Minsk (2019) und Krakau (2023) werden in der türkischen Metropole erneut Athletinnen und Athleten aus rund 50 Nationen erwartet. Insgesamt stehen 26 Sportarten auf dem Programm.
Die Gewehrschützen Fabio Wyrsch und Christoph Dürr sowie Olympiasiegerin Chiara Leone holten mit ihren Leistungen an den Europameisterschaften 25/50m in Osijek in der Disziplin Gewehr 50m Dreistellung drei Quotenplätze. Diese werden nicht den Athletinnen und Athleten persönlich zugesprochen, sondern der Nation.
Die Quotenplätze für Istanbul 2027 werden über mehrere internationale Qualifikationswettkämpfe vergeben. Dazu zählen die bereits ausgetragenen Europameisterschaften 10m 2026 sowie die Europameisterschaften 25/50m in Osijek. Weitere Quotenplätze werden an den Europameisterschaften 10m 2027 sowie an einem zusätzliche Qualifikationswettkampf vergeben.
Anders als noch im Hinblick auf Tokio 2020 gelten die European Games diesmal laut Leiter Abteilung Gewehr Enrico Friedemann nicht als direkter Quotenplatzwettkampf für die Olympischen Spiele. Olympia-Quotenplätze für Los Angeles 2028 werden unter anderem über Weltmeisterschaften, Weltcups und Europameisterschaften vergeben.
Friedemann misst den drei gewonnenen Quotenplätzen grosse Bedeutung bei: «Dies war sehr wichtig für uns da wir auf Grund der hohen Anzahl von Wettkämpfen 2027 unbedingt das Qualiturnier vermeiden wollen.»
«Es ist wie eine kleine Olympiade»
«Das war wichtig, einen Startplatz für das Schweizer Frauenteam zu holen», sagt Chiara Leone – gerade nach ihrem knapp verpassten Finaleinzug im Einzelwettbewerb. «Damit habe ich meinen Teil erfüllt.» Nun gehe es für sie darum, sich persönlich für die European Games zu qualifizieren.
Die Olympiasiegerin ordnet die European Games sportlich und atmosphärisch hoch ein. Für Leone gehört der Anlass zu den wichtigsten Wettkämpfen im internationalen Schiesssport.
Gleichzeitig hebt sie den besonderen Charakter der Spiele Multisportanlass hervor. «Es ist wie eine kleinere Olympiade», sagt Leone. «Es ist ein Grossanlass, man bekommt eine neue Bekleidung, man ist mit anderen Schweizer Athletinnen und Athleten in der gleichen Unterkunft.»
Bislang habe sie dieses Gefühl trotz grosser Wettkämpfe noch kaum erlebt. Sowohl an den European Games 2023 in Wrocław als auch an den Olympischen Spielen von Paris mit den Schiesswettkämpfen in Châteauroux sei der Schiesssport ausgelagert gewesen.
Für Leone wäre Istanbul deshalb «das erste Mal, dass ich so richtig an einem Multisport-Event bin, wo andere Sportarten am gleichen Ort sind. Darum freue ich mich umso mehr.»
«nicht mehr dem quotenplatz nachrennen»
Für Fabio Wyrsch steht nach den gewonnenen Quotenplätzen vor allem die Planungssicherheit im Vordergrund. «Es war sicher gut, dass wir die Plätze holen konnten», sagt der Urner. «Jetzt haben wir schon zwei bei den Männern. Das war wichtig, nun ist das erledigt.» Dadurch könne man sich nun auf andere Dinge konzentrieren und müsse «nicht mehr diesem Quotenplatz nachrennen».
Gleichzeitig betont Wyrsch, dass damit noch keine persönliche Teilnahme gesichert sei. Die definitive Selektion liege nicht allein in seiner Hand: «Ich muss einfach meine Leistungen zeigen.»
Für Wyrsch wäre Istanbul die erste Teilnahme an einem solchen Grossanlass. «Das wäre sicher eine gute Kostprobe für die Olympischen Spiele», sagt er.
«Persönliches Trostpflaster»
«Ich glaube, die Tatsache, dass wir diese zwei Plätze schon einmal geholt haben, ist sehr wichtig», sagt Christoph Dürr. Dies verschaffe dem Team «logistisch etwas mehr Luft», da dadurch nächstes Jahr der zusätzliche Qualifikationswettkampf wegfalle. «Jeder Wettkampf kostet Energie. Die möchtest du am liebsten dort einsetzen, wo es Medaillen gibt», sagt Dürr lächelnd.
Gerade wegen des verpassten Einzelfinals in Osijek wertet er den gewonnenen Quotenplatz persönlich als «Trostpflaster» und als Bestätigung, «dass der eingeschlagene Weg stimmt».
Die European Games hätten «schon einen Anstrich von Olympischen Spielen», so Dürr. Als Multisportanlass seien sie speziell, weil man Teil eines grossen Schweizer Teams sei. Diese Atmosphäre habe er bereits in Wrocław und Minsk erlebt. «Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf.»




