Als am Montagmorgen um 10 Uhr der Schiessbetrieb im Zürcher Albisgütli endete, war klar: Niemand hatte Julian Zehnder mehr eingeholt. Der 15-Jährige aus Turbenthal hatte bereits am Samstag 35 Punkte erzielt – das Maximum beim Zürcher Knabenschiessen und das einzige Maximalresultat des diesjährigen Wettkampfs.
16 Schützinnen und Schützen hatten 34 Punkte erreicht und sich damit für den traditionellen Ausstich am Montag qualifiziert. Weil Zehnder als Einziger auf 35 Punkte gekommen war, stand der Königstitel bereits fest. Im Ausstich ging es noch um die weiteren Podestplätze und Platzierungen. Am besten meisterte diese Aufgabe Melina Schiele aus Dinhard: Mit 33 Punkten sicherte sie sich Rang zwei und wurde gleichzeitig bestes Mädchen des Knabenschiessens 2026.
Fast wäre es dazu allerdings gar nicht gekommen: Die Organisatoren mussten zunächst den Prorektor ihrer Schule überzeugen, damit Schiele am Montagmorgen am Ausstich teilnehmen durfte. Die Überzeugungsarbeit zahlte sich aus. «Ich bin glücklich», sagte die 16-Jährige nach dem Wettkampf. Vor dem Ausstich sei sie allerdings «sehr nervös» gewesen.
Insgesamt nahmen in diesem Jahr 3429 Jugendliche am Wettschiessen teil, 65 mehr als 2025. Unter ihnen waren 1402 Mädchen und 2027 Knaben.
Das Knabenschiessen zeigt Jahr für Jahr, welche Strahlkraft der Schiesssport entwickeln kann. Der traditionsreiche Anlass mit Schiesswettkampf und grosser Chilbi verwandelt das Albisgütli während drei Tagen in das grösste Volksfest des Kantons Zürich. Entsprechend gross ist auch das mediale Interesse – und der Schiesssport rückt weit über das eigene Umfeld hinaus ins öffentliche Blickfeld.
Zwei lange Tage des Wartens
«Ich war sehr nervös», sagte der frischgebackene Schützenkönig Julian Zehnder rückblickend. Das Schiessen selbst habe nur wenige Minuten gedauert, das Warten dagegen zwei Tage. Erst am Montagmorgen um 10 Uhr fiel die Anspannung ab: «Da wusste ich, dass ich mir keine Sorgen mehr machen muss.»
Speziell vorbereitet hatte sich Julian nicht. «Am Samstagmorgen war ich am Rasenmähen. Dann habe ich Mittag gegessen und bin hierher gekommen», erzählt er. Beim Rasenmähen habe er an ganz andere Dinge gedacht. Vielleicht war genau das nicht die schlechteste Vorbereitung. Auch beim Schiessen selbst habe er versucht, sich nicht zu viele Gedanken zu machen. «Ich habe Glück gehabt. Gleichzeitig habe ich nicht so viel darüber nachgedacht. Dann ist es gut gelaufen.»
«Schiessen macht einfach Spass»
Ganz zufällig kommt Zehnders Erfolg allerdings nicht. Er schiesst seit mehreren Jahren bei den Sportschützen Wila-Turbenthal. Schon seit seinem zehnten Lebensjahr schiesst er Kleinkalibergewehr. Auch in der Familie ist der Schiesssport verankert: Sein Vater und sein Bruder schiessen ebenfalls.
Was ihn am Schiesssport fasziniert? «Man muss sich mega konzentrieren, man muss präzise sein.» Gleichzeitig helfe ihm das Schiessen, «herunterzufahren». «Und es macht einfach Spass.»
Der 15-Jährige besucht die dritte Sekundarschule und hat bereits eine Lehrstelle als Polymechaniker gefunden. In seiner Freizeit schiesst er, macht etwas Sport – und gamt gerne. Besonders Strategiespiele haben es ihm angetan.
Neuer PC vom Preisgeld
Als Schützenkönig erhält Julian Zehnder ein Preisgeld von 5000 Franken. Einen Plan dafür hat er bereits: «Einen Teil spare ich, einen Teil gebe ich aus.» Ganz oben auf der Wunschliste steht ein neuer Computer. «Vielleicht kommen auch noch ein paar Games dazu.»
Am Montagabend wartet auf den frisch gekürten Schützenkönig allerdings bereits wieder der Alltag. «Ich muss sicher noch ein bisschen Hausaufgaben machen», sagt Zehnder. Ob danach noch gefeiert wird, weiss er noch nicht genau.

















