Bereits am Vormittag unterstrich die Solothurnerin ihre Ambitionen eindrucksvoll. Mit 591 Punkten schoss sie in der Qualifikation das zweitbeste Ergebnis und musste sich lediglich der Norwegerin Synnoeve Berg geschlagen geben. Besonders bemerkenswert: Liegend liess Jäggi mit dem Punktemaximum von 200 Punkten keine Zweifel an ihrer Klasse aufkommen.
Lautstarke Unterstützung vom Team
Auch im Final hielt die 17-Jährige von Beginn an Kontakt zur Spitze. Obwohl sie im Kniend-Teil etwas zurück fiel, war sie bereits liegend auf Podestkurs. Bei Rückschlägen wurde das Jung-Talent immer wieder von ihrer grossen Schwester lautstark angefeuert. «Das war genau das, was ich in diesem Moment brauchte», sagt Emely Jäggi. «Athleten haben oft Selbstzweifel. Wenn man eine Schwester hat, die einen bestärkt und sagt, dass man das schafft und gut genug ist, ist das einfach schön. Dafür bin ich sehr dankbar». Auch ihr Trainer Jan Hollenweger habe ihr immer wieder gut zugeredet und damit zusätzliche Kraft gegeben. «Wenn das Team hinter einem steht, bedeutet das sehr viel. Wir gönnen einander den Erfolg und das ist mega schön.»
Mit Nervenstärke zu WM-Bronze
Mit neuer Motivation und voller Zuversicht bewies Jäggi im entscheidenden Stehendprogramm erneut ihre Wettkampfhärte und behauptete sich gegen die internationale Konkurrenz. Erst im Kampf um Gold musste sie die spätere Siegerin Taisia Tikhomirova (AIN: Individuelle Neutrale Athleten) und die Inderin Prachi Gaikwad ziehen lassen und sicherte sich verdient die Bronzemedaille – ein weiterer glänzender Erfolg in ihrer bereits beeindruckenden Karriere.
«Mir geht gerade ziemlich viel durch den Kopf», so Emely Jäggi nach dem Final. «Es ist ein mega spezielles Gefühl. Die letzten Tage waren anstrengend. Umso dankbarer bin ich, dass es geklappt hat. Ich habe hart dafür gearbeitet.»
Suhl ist für die Solothurnerin ohnehin ein besonderer Ort. Hier gewann sie bereits 2023 ihre erste Goldmedaille an einem Junioren-Weltcup.
Auch ihre Teamkolleginnen zeigten starke Leistungen. Nur ein Punkt fehlte Vivien Jäggi (585), um gemeinsam mit ihrer Schwester den Final zu erreichen. Ekaterina Chenikova klassierte sich mit 584 Punkten auf Rang 20, dicht gefolgt von Martina Herrli auf Platz 21 mit 583 Punkten. Alina Schmid erzielte ebenfalls 583 Punkte und belegte Rang 24, während Alicia Beer mit 582 Punkten auf Rang 29 landete.
Den Gewehr-Junioren gelang im Dreistellungswettkampf hingegen kein Finaleinzug. Bester Schweizer wurde Daniel Zürcher mit 577 Punkten vor Dorian Saillen (572).
Final Gewehr 50m Dreistellung Juniorinnen
Sechstbester Junior in der Königsdisziplin
Bei den Pistolen-Junioren konnte auch Theodor Reimann einen grossen Erfolg feiern. An seiner ersten WM trat der 17-Jährige als einziger Schweizer Pistolen-Junior im Schnellfeuerwettkampf über 25m an – der Formel 1 des Pistolenschiessens Mit dem drittbesten Resultat in der Qualifikation sicherte er sich auf Anhieb einen Platz im Final. «Ich habe den Druck nicht wirklich stark wahrgenommen. Am meisten spürte ich ihn bei der ersten Serie im ersten Halbprogramm. Danach wurde es immer besser. Im Final war ich nicht besonders nervös, sondern eher gespannt, ob ich meine Technik umsetzen kann», erklärte der Thurgauer selbstbewusst.
Als jüngster Finalist klassierte sich Reimann in der Königsdisziplin der Pistolenschützen auf dem sechsten Rang. Trotz seines zunächst etwas enttäuschten Eindrucks zog er ein positives Fazit: «Ich habe einfach mein Bestes gegeben. Deshalb hat es sich nicht so angefühlt, wie es von aussen vielleicht ausgesehen hat. Im Grossen und Ganzen bin ich zufrieden.»
Final Schnellfeuerpistole 25m Junioren
Vorbild für die nächste Generation
Seine Trainerin Claudia Loher zeigte sich von der Leistung ihres Schützlings begeistert. «Heute ist seine Leistung noch höher zu bewerten. Am zweiten Tag in der letzten Ablösung mit den sechs Besten zu starten und dann nochmals eine solche Leistung abzurufen; das ist schon eine Klasse für sich», sagte sie stolz.
Loher setzt sich seit Jahren dafür ein, das olympische Schnellfeuerpistolenschiessen in der Schweiz stärker zu etablieren, und sieht in Reimann einen wichtigen Wegbereiter. «Theodor wird für viele Juniorinnen und Junioren in den Vereinen ein Vorbild sein. Für Schützen wie ihn sind wir in der Nachwuchsförderung bereit. Jetzt müssen wir ihnen im Breitensport – auf Vereins- und Kantonsebene – die Möglichkeit geben, diesen Weg zu gehen.»
Zur Förderung dieser anspruchsvollen Disziplin hat der SSV die «Swiss Rapid Fire Challenge 2026» ins Leben gerufen. Der Final findet am 23. August 2026 in Pieterlen statt. Für Reimann ist die Teilnahme selbstverständlich Ehrensache. (rge)






























