Schweizer Schiesssportverband

Drei Altmeister bewiesen Nervenstärke

Hans Häseli hatte zu Beginn eine Waffenstörung, gewann aber trotzdem den 
Dreistellungsmatch, links Wettkampfleiter Jost Mathis. (Foto: wr)

Hans Häseli hatte zu Beginn eine Waffenstörung, gewann aber trotzdem den Dreistellungsmatch, links Wettkampfleiter Jost Mathis. (Foto: wr)

Die Aargauer Meisterschaften der 300-m-Gewehrschützen in Buchs brachten drei überraschende neue Meister hervor. Im Dreistellungsmatch war Hans Häselis Ruhe und Routine entscheidend. In den packenden Finals der Standard- und Sturmgewehrschützen bewiesen Heinz Sollberger und Stephan Morgenthaler die nötige Nervenstärke.

Hans Häseli knüpfte im Dreistellungsmatch überraschend an frühere Zeiten an. Zum 44. Mal in Serie hatte der 61-jährige Wittnauer Altinternationale in diesem Jahr die Limite für den Kantonalmatch erreicht. Nur schon dies war für den vielfachen Aargauer Meister früherer Jahre ein ausserordentlicher Erfolg. «Ich trainiere nur noch wenig, verfüge aber als Landwirt und Mechaniker über die nötige körperliche Verfassung und habe die drei Stellungen im Griff.» Diese Aussage bestätigte er in den 60 Schüssen eindrücklich. Auch eine Waffenstörung zu Beginn brachte ihn nicht aus dem Konzept. In Abwesenheit von Titelverteidiger Rafael Bereuter lag er nach den 20 Kniendschüssen an zweiter Stelle hinter Juniorin Vanessa Zürcher. Nach dem Liegendpensum hatte der Fricktaler die Mettauerin bereits überholt.

Stehendstellung als Herausforderung
Vanessa Zürcher büsste in der ersten Zehnerpasse stehend weitere acht Punkte ein, konnte aber den Abstand in der Schlussphase mit einem Total von 539 auf fünf Zähler reduzieren. «Meine Ausgeglichenheit verhalf mir zu diesem schönen Sieg.», strahlte Häseli. Die Juniorin zeigte sich enttäuscht: «Schade, dass ich so grosse Mühe hatte bei den ersten Stehendschüssen.» Dasselbe galt für Matthias Stöckli, der mit 196 Punkten liegend die Führung nach zwei Stellungen übernommen hatte. Stehend war der Freiämter Kleinkaliberspezialist zu schwach und fiel auch noch klar hinter Zürcher zurück.

Heinz Sollbergers Steigerung
Im Zweistellungsfinal der Standardgewehrschützen hatte niemand Heinz Sollberger auf der Rechnung, obwohl der 70-jährige Aarburger in der Qualifikation den 4. Platz erzielt hatte. Als er mit 5,7 Punkten aus dem ersten Schuss begann, schien er bereits ausser Traktanden gefallen zu sein. Aber der Zofinger Schütze kämpfte sich zurück. Nach 15 Liegendschüssen hatte er als Fünfter den Anschluss an die Spitze bewerkstelligt. Doch ein anderer Routinier, Willy Linder, lag mit jedem weiteren Kniendschuss sicherer an der Spitze.

Die Favoriten schieden fortlaufend aus, schliesslich auch Titelverteidiger Rolf Denzler, der kniend aufgeholt hatte, sich aber mit Bronze begnügen musste. Als Linder mit dem zweitletzten Schuss nur 8,8 Punkte erzielte, kam Sollberger mit 9,9 bis auf sechs Zehntelpunkte heran. Der 30. Finalschuss entschied mit 9,0:7,5 deutlich für den Aarburger. «Zuletzt war ich mir meiner Sache sicher.», sagte Sollberger nachher. «Ich war müde und der Schuss ging zu früh weg.», gestand Linder. Der neue Aargauer Meister hatte den Mut, trotz begrenzter Zeit ein zweites Mal anzusetzen. «Das Raunen der Zuschauer nach Linders Schuss hörte ich nicht, ich war voll konzentriert.», schilderte Heinz Sollberger die Schlussphase. Nach 2002 feierte er so seinen zweiten Aargauer Meistertitel mit dem Standardgewehr und freute sich schelmisch über den Exploit.

Stephan Morgenthalers Wende
Bei den Schützen mit einer Ordonnanzwaffe gehörte Stephan Morgenthaler nach dem dritten Qualifikationsrang zu den Mitfavoriten, doch im Final schien er nach den 15 Liegendschüssen entscheidend distanziert. Da verpatzte der klar führende Matthias Wyder die ersten fünf Kniendschüsse, sodass der Oberentfelder von Rang 6 an die Spitze vorpreschte. Wyder bäumte sich auf und lag nach 25 Schüssen wieder vorne. In der turbulenten Schlussphase mit krassen Fehlschüssen verpatzte Wyder dann gar Edelmetall. Morgenthalers Präzision liess zwar auch nach, er traf aber mit den letzten drei Schüssen wieder so gut, dass Stefan Mathis und Hans Schumacher chancenlos blieben. «Diese Wende hätte ich nicht erwartet, aber ich war schon in der Qualifikation kniend stark.», kommentierte der Oberentfelder seinen Titelgewinn. Der Staufener Titelverteidiger Stefan Mathis hatte sich erst in den letzten Schüssen auf einen Medaillenplatz vorgearbeitet und war zufrieden mit Silber. Auch Hans Schumacher haderte nicht mit Rang 3, weil er mit der Kniendstellung und der Konzentration zu kämpfen hatte. (Wolfgang Rytz)

 

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