Am Auslandschweizertag trafen sich rund 150 Schützinnen und Schützen aus 13 Vereinen und drei Kontinenten auf dem Rossboden. Die Anreise nach Chur führte sie über insgesamt rund 40'000 Kilometer. Vereine wie die Vancouver Swiss Canadian Mountain Range Association, die Swiss Athletic Society Los Angeles oder der Cape Town Swiss Rifle Club zeigen, wie weit verzweigt die Schweizer Schützentradition rund um den Globus bis heute ist. Drei Geschichten stehen stellvertretend für viele weitere.
Eine Schützenfamilie aus Vancouver
Alex Loffler wurde in Winterthur geboren, wuchs jedoch in Grossbritannien auf. Heute lebt er mit seiner Familie in Vancouver. Zum Auslandschweizertag des Eidgenössischen Schützenfests ist die Familie gemeinsam nach Chur gereist. Während Alex Loffler am Freitag auf 300m antritt, werden seine Frau Rachel sowie die Töchter Ava (16) und Mia (14) mit dem Gewehr 50m im Einsatz stehen.
Als die Familie nach Kanada auswanderte, war Alex Loffler bereits Mitglied eines Schweizer Pistolenclubs in Grossbritannien. Dessen Sekretär machte ihn auf einen Schweizer Schützenverein in Vancouver aufmerksam. Zu seiner Freude lag dieser nur rund 15 Fahrminuten von seinem neuen Wohnort entfernt.
Heute ist die ganze Familie bei der Vancouver Swiss Canadian Mountain Range Association aktiv. Loffler beschreibt den Verein als sozialen Treffpunkt mit familiärer Atmosphäre. Zum Klub gehört sogar ein Schweizer Chalet als Vereinshaus. Es wirke, erzählt er schmunzelnd, als hätte man es direkt aus den Schweizer Bergen nach Vancouver versetzt.
Längst hat der Schiesssport die ganze Familie erfasst. Ava (16) und Mia (14) begannen beide im Alter von rund neun Jahren mit dem Schiessen. Besonders stolz ist der Vater auf Ava. Bei einem Wettkampf im vergangenen Jahr erzielte sie ein besseres Resultat als er selbst.
Für Ava gehört der Schiesssport seit ihrer Kindheit zum Familienleben. Besonders schätzt sie die Atmosphäre im Verein. Gleichzeitig empfindet sie den Sport als überraschend «entspannend». Auch Mia beschreibt das Schiessen als entschleunigend. Man könne nicht einfach loslegen, sondern müsse runterkommen und sich konzentrieren.
Auf ihr eher ungewöhnliches Hobby reagieren Freundinnen und Bekannte unterschiedlich.Ein 16-jähriges Mädchen im Schiesssport passt nicht in jedes Klischee. Wirklich negative Reaktionen habe sie jedoch nie erlebt.
Als Kind besuchte Alex Loffler regelmässig Verwandte in der Schweiz. Noch heute schätzt er die Kultur, das Essen und die Menschen. Besonders erstaunt ihn, wie sehr ihn die Landschaft Graubündens an seine heutige Heimat British Columbia erinnert. «Es ist immer noch ein wunderschönes Gefühl, hierher zu kommen», sagt er.
Brot, Bratwurst und Kameradschaft
Der Weg nach Chur begann für Erich Fischer in Los Angeles. Fischer schiesst für die Swiss Athletic Society Los Angeles. Der 73-Jährige wuchs im Toggenburg auf und wanderte im Alter von 21 Jahren in die USA aus. Weshalb er für den Auslandschweizertag immer wieder in die Schweiz zurückkehrt? Fischer muss nicht lange überlegen. Freundschaft und Kameradschaft unter den Schützen seien wichtige Gründe. «Ich mache immer so einen Witz und sage: Ich komme auch für das Essen.» Vor allem für das Brot. Auch eine Bratwurst schmecke in der Schweiz einfach anders.
Heimweh verspüre er nicht. Zwar komme er gerne in die Schweiz und habe hier noch Familie. Gleichzeitig nennt Fischer auch Eigenschaften, die er nicht vermisse: Die Schweizer Neigung, Dinge manchmal etwas komplizierter zu machen als nötig, gehöre dazu. Allerdings habe das auch seine Vorteile. «Dafür ist alles eben tiptop organisiert», sagt er.
Zwischen Vancouver und dem Bündnerland
Für Cecilia Decurtins begann die Verbindung zum Schiesssport lange vor ihrem ersten Wettkampf. Sie ist in Kanada geboren und aufgewachsen. Zum Schiesssport kam sie über ihre Familie. Ihr Vater gehörte 1964 zu den Mitgründern der Vancouver Swiss Canadian Mountain Range Association. «Ich bin damit aufgewachsen», erzählt sie. Zwar habe sie selbst erst vor fünf Jahren mit dem Schiessen begonnen, im Vereinsleben sei sie jedoch schon immer dabei gewesen.
Auch ihre Eltern pflegten die Schweizer Schützentradition. Die Mutter schoss Armbrust, der Vater Karabiner. Für Decurtins gehört das Eidgenössische deshalb ebenso zur Familiengeschichte wie ihre Bündner Wurzeln.
Auf die Frage, weshalb sie für das Eidgenössische nach Chur reist, muss sie nicht lange überlegen. Das Schützenfest sei weit mehr als ein Wettkampf. Viele Mitglieder würden die Reise mit Ferien verbinden, Verwandte besuchen und gemeinsam Zeit verbringen. «Es ist die Kameradschaft», sagt sie.
Obwohl sie in Kanada geboren wurde, fühlt sich Decurtins der Schweiz weiterhin verbunden. Ihr Vater sprach Romanisch, Schweizerdeutsch habe sie sich später selbst angeeignet. Besonders gerne kehre sie ins Bündnerland zurück. Und wenn sie etwas nennen müsse, das sie aus der Schweiz vermisse? Decurtins lacht: «Bündnerfleisch.»
Liechtenstein gewinnt Wanderpreis
Neben den Begegnungen stand auf dem Rossboden natürlich auch der sportliche Wettkampf im Mittelpunkt. In der Einzelwertung setzte sich Timo Bald von der Swiss Athletic Society Los Angeles mit 97 Punkten durch. «Ich freue mich riesig. Ich habe zum ersten Mal teilgenommen und direkt gewonnen. Das ist einfach ein super Gefühl», sagte der Einzelsieger. Der Deutsche startet für die Swiss Athletic Society Los Angeles und war auf Einladung von Vereinskollegen nach Chur gereist.
In der Vereinskonkurrenz setzte sich die Schiess-Sektion des Fürstentums Liechtenstein durch. Mit dem Sieg sicherten sich die Schützen aus dem Fürstentum auch den Wanderpreis. Es war bereits ihr dritter Erfolg. Damit dürfen sie die Trophäe endgültig behalten. Für das nächste Eidgenössische Schützenfest in fünf Jahren wird Liechtenstein einen neuen Wanderpreis stiften.















